Monatsarchiv: September 2010

Endlich wieder da, die "offizielle" afterhour im Golden Gate

Nach längerer Zeit ist es endlich wieder soweit – Zeit für HDT/HochDieTassen & 5 vor 12 After Hour. Dies ist eine Vormittagsveranstaltung im Golden Gate Berlin und für mich die einzig gute Wahl am Samstagvormittag nach einer Freitagnacht weiter zu feiern. Am kommenden Samstag ab 10 Uhr legen auf: Didier de la Boutique (Tonkind, 5 vor 12), Egoshooter (HDT!), Chris Heller (HDT!) und Dr. Krüger (Hippiestress), obwohl das für mich nicht von Bedeutung ist, denn was für mich den Laden ausmacht,  ist vorrangig die Leute, die Atmosphäre und weniger die Musik.

Die Location befindet sich in Nähe des U-Bahnausganges der U8, in der Dirksenstraße 77. Das GG ist meistens zu den HDT und 5 vor 12 Uhr Partyreihen sehr voll, fast zu eng zum Tanzen aber dafür ist die Stimmung sehr gut. Der Laden an sich ist ziemlich abgefuckt, wirkt wie eine Mischung aus Kellerloch und Wohnzimmer. Zu sehen auf Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=9XB9ZaSpkJo

Trotz des sehr internationalen Publikums, hat man kaum den Eindruck einen Touri-Laden aufgesucht zu haben. Das Publikum besteht aus sehr schrillen, abgeklärten und toleranten Leuten. Jetzt fragt man sich natürlich wie die Freitagnacht rumkriegen bis es endlich wieder Samstagvormittag ist und es auf ins GG geht.

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Acid im Suicide Circus

Samstagnacht zeigte sich das Suicide von seiner acid styligen Seite mit AdamX (sonic groove), Hanno Hinkelbein (null, killekill) und DJ Flush (killekill). Sentenz der Nacht war „Acid ist fertig“.

Das Suicide befindet sich auf dem RAW-Geländer an der Revaler Straße im Friedrichshain. Der Club ist über eine Stahltreppe an der Warschauer Str. oder über die vielen Zugänge an der Revaler Str. zu erreichen. Meistens hört man schon von der Warschauer Straße aus die Musik. Der Club ähnelt einer Garage, ist sehr schlicht gehalten und trotz der weißen unverputzten Wände ist der Raum sehr dunkel, da es an der Decke nur einige Scheinwerfer gibt. Zusätzlich gibt es noch eine kleine Bar im Nebenraum und einen outdoor-Bereich, über den auch die Toilettencontainer zu erreichen sind. Die Besucher sind nicht so überkandidelten Leute, wie z. B. im Watergate, was sich auf der anderen Seite der Spree an der Warschauer Brücke befindet. Erstaunlicherweise hat man den Eindruck es gäbe hier sogar einen Frauenüberschuss. Alles in allem wirkt der Club leicht ranzig, unstylisch, kreuzberg-friedrichshain-typisch und damit gut.

In dieser Nacht gefiel mir Adam X mit Abstand am besten, der gegen 3:30 auflegte. DJ Flush, der vor Adam X auflegte war mir dagegen ein wenig zu lahm.  Mit Hanno Hinkelbein zum Morgen hin flachte es wieder ein wenig ab. Schon gegen halb 7 lichtete es sich im Club. Diese Erfahrung habe ich bei meinen anderen Besuchen im Suicide auch schon gemacht.

Ich gehe in das Suicide, wenn ich es mal nicht übertreiben will und weil ich dann weiß, dass ich vor acht zu Hause bin.

Mobile Coffeebar auf dem Antonplatz

Neulich war ich in Weissensee unterwegs und auf dem Antonplatz war gerade Wochenmarkt. Von weitem sah ich eine schwarze Fahne mit weißem Schriftzug „Kaffee“ im Wind hin- und herflattern. Das fand ich sehr ansprechend und lief zu der mobilen Coffeebar Hipp & Stew, zumal die Coffeshop-Dichte in Weissensee sehr gering ist, so dass es nicht wie üblich in Szenebezirken alle zwanzig Meter ein Café gibt.

Die mobile Coffeebar hat auf jeden Fall Charme: mit Kaffeesäcken dekoriert und es gibt vor dem Stand Tische und Stühle zum Verweilen. Was mich verblüffte war, dass der Verkäufer mit dem Preis ins Schleudern kam und er sagte, das läge daran, dass in Prenzlauer Berg der Chai-Latte fünfzig Cent mehr kosten würde als hier auf dem Antonplatz. Es gibt ihn also, den Kiezaufschlag für Szenebezirke. Sicherlich, der Markt ist viel überschaubarer als z. B. am Helmholtzplatz und ist auch nicht vergleichbar mit einem Ökomarkt wie z. B. dem Ökomarkt Samariterstraße – und vom Klientel her auch (noch) ganz anders.

Es ist nur noch eine Frage der  Zeit, wann in Weissensee auch die Mieten mit Prenzlauer Berg und Friedrichshain vergleichbar sind und dann zahlt man hier auch einen Szenekiez-Aufschlag für sämtliche Konsumgüter und Dienstleistungen.

Schon 2008 hieß es in der „Berliner Morgenpost“: Weißensee ist auf dem Weg zum Szenekiez

Zum Schusterjungen – letzte Institution in Prenzlauer Berg?

Mich wundert, dass in Prenzlauer Berg in einer Ecke, die doch eher von jüngeren Leuten bewohnt und aufgesucht wird – und die Kastanienallee ist ja nur wenige Meter davon entfernt –  so ein Lokal, wie dem Zum Schusterjungen zu finden ist.

Das Restaurant „Zum Schusterjungen“ liegt auf der Danziger Straße/Ecke Lychener Straße.

Hin und wieder erzählte mir eine Bekannte, Stammgast vom „Zum Schusterjungen“ von dem Treiben dort. Der Name des Lokals sagte für mich so einiges aus, obwohl man sich ja auch täuschen kann, denn es gibt Lokale die szenig, alternativ oder „in“ sind und dann dazu einen urigen Namen wie Bergstüb’l o. ä. tragen. Genauso verhält es sich mit dem Berghain: hört sich eher nach neiner Dorfdisse und nicht nach einem der angesagtesten Clubs der Welt an.  O. K., aber das „Zum Schusterjungen“ ist genau so, wie der Name schon vermuten lässt:

Eine urige Eckkneipe mit altdeutscher Küche in gemütlicher, rustikaler Ausstattung im Landgasthaus-Stil.

Das Lokal hat Tradition und gab es schon zu DDR-Zeiten. Letztes Jahr wechselte der Besitzer, der dieses Restaurant zum Glück so gelassen hat, wie es war. Es gab lediglich kleine, aber nicht wesentliche Veränderungen der Speisekarte.

Im „Zum Schusterjungen“ treffen Touristen, HartzIVler, Millionäre und Alteingesessene aufeinander und hier sitzt der Promi (Schauspieler und Fußballer) der seine Ruhe haben will, neben dem Opi, der schon seit Jahren hier regelmäßig zu Mittag isst.

Man staune, dass so ein Lokal mitten im fast „endsanierten“, teuren und sehr beliebten Bezirk Prenzlauer Berg so gefragt ist, dass abends sogar Reservierungen notwendig sind. Also man sollte auf jeden Fall mal dagewesen sein und mir wurde bei einem Besuch klar – DAS ist Deutsche Küche.

Saubere Tanznacht in der Maria am Ostbahnhof

Letzten Samstag fand in der Maria 5 Jahre Spreepiraten statt und ich habe es mir glatt mal angetan nach knapp zwei Jahren wieder in die Maria zu gehen.

Zur Auswahl stand an dem Abend auch Underworld. Diese hätten mir auch sehr zugesagt, nur die gab es leider ja nur im Dreifachpack mit Paul van Dyk und Amin van Buren in der O2 Halle zu erleben. Auf melodiösem Trance und Megaevents stehe ich nun mal gar nicht und so entschied mich doch für die „Spreepiraten“ in der Maria mit ganz viel Stil vor Talent.

Die Musik war durchgehend gut, wobei einem gewissen Stil immer treu geblieben wurde. Für mich gab es stilistisch keine großen Unterschiede zwischen den DJs zu  vermerken. Das Publikum war super jung bzw. ich super alt.  Ich staune immer wieder, dass im jeden Club das Publikum leicht unterschiedlich ist. Es gibt ihn, den feinen Unterschied zwischen dem Publikum, aber dazu in einem späteren Blogreport mehr. Die Musik war schön groovig und der LiveAct von AKA AKA witzig, weil es so voll panne ist, was sie da so von sich geben. Das hebt sich auf jeden Fall von den meist anderen Live-Sets im elektronischen Bereich ab: sie performen, liefern eine Show ab und bauen Gigs ein.  Ob ich allerdings ein durch geschwitztes T-Shirt von Aka Aka haben hätte wollen, bin ich mir noch nicht so sicher.

Wie immer gibt es ganz fleißiger und schnelle YouTuber, deshalb hier ein aktuelles Video von baerenkindBerlin von Aka Aka live in der Maria.

und noch ein weiteres YouTube-Video von pSykoMan3D mit viel show:

Parkcafés: Rosenstein und Schoenbrunn

Eine gute Möglichkeit um noch die letzten Sonnenstrahlen zu genießen und evt. den Sommer Revue passieren zu lassen, bieten Parkcafés.

Das Kaffeehaus Rosenstein liegt in mitten des Pankower Bürgerparks. Dieser wird von Joggern, Faulenzern und Freizeitaktivisten über Singles, Pärchen und Familien gleichermaßen besucht. Der Bürgerpark ist eine Oase in Mitten der Großstadt, abgesehen von den Fliegern die von und nach Tegel hier den Park überqueren. Mit Schließung des Flughafens Berlin-Tegel Ende 2012 erübrigt sich dieses und dann steht dem Park und dem Rosenstein mit seiner idyllischen Atmosphäre nichts mehr im Wege.
Das KaffeehausRosenstein hat es in der Vergangenheit nicht leicht gehabt. Im Frühjahr 2007 fiel es einem Brand und kurz vor der Neueröffnung im März 2008 einem Vandalismus zum Opfer. Seitdem besteht das Rosenstein aus einem Pavillon im Wiener Kaffeehaus-Ambiente und draußen werden an einer Art Kiosk, bestehend aus Espresso- und Milcheisbar, Getränke und Speisen ausgegeben. Überwiegend am Wochenende gibt es Deftiges vom Holzkohlengrill. Eine große Terrasse bietet genügend Platz zum Träumen und Kaffeespezialitäten zu genießen und es liegt ein großes Zeitschriftenangebot aus.

Ich mag den Bürgerpark und das Café Rosenstein auf Grund seiner eher geringeren Popularität. Das dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, denn wie man sieht, werden es von Jahr zu Jahr immer mehr Besucher, die diesen Park und das Café aufsuchen.

Der Volkspark Friedrichshain ist sobald nach dem Winter sich die ersten wärmenden Sonnenstrahlen zeigen, voll von Sonnenabetern und Joggern, außerdem zieht es viele Leute in das Café Schoenbrunn. Im Volkspark Friedrichshain kann man skaten, Beachvolleyball und Tennis spielen, sich vom Märchenbrunnen oder einem Klassiker im Freiluftkino verzaubern lassen. Die Spielplätze sowie der Grillplatz bieten Spaß für alle Altersklassen.

Das Schoenbrunn im Volkspark Friedrichshain gelegen, ist schon seit vielen Jahren legendärer Szenetreff. Das Schoenbrunn bietet eine wunderschöne Lage, direkt gegenüber dem Schwanenteich. Über die Jahre wurde das Schoenbrunn immer mehr ausgebaut. Inzwischen besteht das Schoenbrunn aus Restaurant, Biergarten und Kiosk.

Die Einrichtung des Restaurants ist hell, freundlich und besitzt große Fenster mit Blick auf den Schwanenteich. Am Wochenende ist es meistens so voll, dass einem nichts anderes übrig bleibt als sich was vom Kiosk oder im Biergarten zu holen und sich dort niederzulassen. Es sei denn, man wirkt wohlhabend, dann wird schon mal ein Platz für kurze Zeit später reserviert.

Ich habe das Gefühl mich für diesen Park auf eine gewisse Weise zurechtmachen zu müssen. Hier geht es sehr um Sehen und Gesehen werden. Dennoch, bin ich immer wieder gerne hier.

Entlang der Spree: Feiern so lange es noch geht

Der clubkultureller Ballungsraum zwischen Jannowitz- und Elsenbrücke präsentiert sich während der ersten Berlin Music Week (bis 12.09) mit dem Projekt ClubSpreeBerlin. Mit diesem Projekt macht sich dieser besonders beliebte Clubballungsraum entlang der Spree während der gesamten Berlin Music Week mit zahlreichen Tages- und Nachtveranstaltungen auf besondere Weise auf sich aufmerksam. Zahlreiche am Spreeufer ansässige Clubs sind wegen des Investitionsprojektes “Mediaspree” in ihrer Existenz bedroht oder stehen kurz vor der Schließung.

Auch der Club „Maria am Ostbahnhof“ wird kurz über lang einem Mediaspree-Investitionsprojekt weichen müssen. Am kommenden Wochenende besteht hier und auch in anderen Clubs, Locations und Strandbars entlang der Spree, nochmal die Möglichkeit ausgiebig zu feiern. Freitag und Samstag findet in der Maria „5 Jahre Spreepiraten“ statt. Freitag werden Mouse on Mars einen Live-Act bieten,  Dave Tarrida, Sam Shackleton, The Hacker, Suzi Wong und Candie Hank werden auflegen. Am Samstag legen Woody, Oliver Koletzki, Mike Vamp, Jacob Richter, Axel Bartsch, Florian Meindl auf – und das  sind noch nicht alle. Live-Acts in dieser Nacht sind Autotune und AKA AKA. Wer nicht bis Samstag auf AKA AKA warten möchte, kann bereits am Freitag AKA AKA als DJ-Team in der Bar25 erleben. Für „5 Jahre Spreepiraten“ in der Maria wird empfohlen Karten im VVK zu erwerben.

AKA AKA & UMAMI – Ich & Du (Video Edit ) auf YouTube von lenny1k

Die Bar 25 wird vom 10.-13.09. exzessiv die Schließung ihrer Location feiern. Hier findet im Rahmen der Berlin Music Week das erfolgreiche Indische Party Event Sound Tamasha statt. Dies wird eine bunte Mischung aus indischen Sounds (HipHop, Masala Soul, Indian Electronica), Classical India Dance Performance, Classical India Drums und India Finger Food sein.

Das Niesen: Ein Café mit Séparée

Im Frühjahr ging das Café Niesen weltweit durch die Presse, da es einen separaten Raum, gedacht als Ruheraum ohne Kinder, eingerichtet hatte. Der Raum ist durch einen Nebeneingang und einem Korridor, an dem jeweils außen ein kleiner Zettel klebt: „Neu: Für Ältern ohne Kinder“ zugänglich.

Wegen dieser „kinderfreien Zone“ wurde das Café Niesen in der Boulevardpresse als kinderfeindlich abgestempelt. Ich kann diesen medialen Aufschrei bis in die ausländische Presse nicht nachvollziehen, denn das Café ist alles andere als kinderunfreundlich. Auch bei meinem letzten Besuch im Café fanden sich viele Gäste mit Kindern ein. Alles lief gut nebeneinander her, so wie man  es als Gast schon seit Jahren gewohnt ist.

Das Niesen liegt etwas weit ab vom Schuss, am „anderen“ Ende des Mauerparks,Ecke Schwedter Straße/Korsörer Straße und versteht sich als Kiez-  und nicht als Szenecafé. Das Mobiliar besteht aus durcheinander gewürfelten Sperrmöbeln und sorgt damit für eine gepflegte Stillosigkeit, die ich Wohnküchenflair nennen würde.

Das mag vielleicht daran liegen, dass ein Geruch durch die Räumlich- keit zog, der an Oma’s Küche erinnert. Auch das Angebot an Kuchen und anderen Leckereien erinnert eher an einen Privatverkauf als an ein Gaststättengewerbe, so als habe die Oma ihren Kuchen anzubieten.

Die Medienkampagne scheint  das Café Niesen zum Glück   gut  überstanden zu haben,  denn Monate danach ist es  nach wie vor gut besucht, mit oder auch ohne Kinder. Das Café war und ist ein recht nettes familienfreundliches Café.

An dieser Stelle möchte ich  erwähnen, dass ich woanders im Prenzlauer Berg ein Café kenne, an dem gleich an der Eingangstür ein Aufkleber mit durchgestrichenem Kinderwagen zu sehen ist.