Monatsarchiv: August 2010

Im "wild Wedding": Das prime time theater

Wie schon im letzten Artikel erwähnt, gibt es kaum etwas, was mich am Wedding reizt, aber auch das prime time theater ist auf jeden Fall einen Ausflug nach Wedding wert.

Seit 2004 läuft nun schon die Theater-Sitcom GWSW (kurz für „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“) und ab September wird schon die 66. Folge „Der Strebergarten“ aufgeführt. Neben GWSW bringt das prime time theater hin und wieder auch ein Sonderprogramm auf die Bühne.

Kürzlich war ich mit Freunden zum 2. Mal in einem solchen Programm. Leider kam diese Filmparodie „Drei Engel für Wedding“ wie auch das andere Sonderprogramm etwas lau und weniger lustig als GWSW daher. Weiterlesen

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Kleinod im Wedding: Das Schraders

Wedding gehört nicht zu meinen favorisierten Stadtteilen von Berlin mit Ausnahme einiger Orte, so wie das prime time theater.

Bei einem Besuch dieses Theaters bot sich ein Wedding-Abend mit vorherigem Treffen in einem Restaurant im Kiez an. Wir entschieden uns für das Schraders, das einige schon besucht hatten. Auch ich hatte schon häufiger davon gehört und war gespannt, wie es im Wedding auch sein kann, abseits der allgegenwärtigen Döner- und Currywurstbuden.

Das Schraders liegt direkt an einem ruhigen Platz in der Malplaquetstraße, Ecke Utrechter Straße. Dies scheint auch der einzige Laden dieser Art im Einzugsgebiet U-Seestraße, U-Leopoldplatz und U-Osloer Straße. Das Schraders ist eine Mischung aus Café, Bar, Restaurant und Lounge.

Die Einrichtung des Schraders ist sehr geschmackvoll und gemütlich und auf dem ersten Blick erinnert es an ein Wohnzimmer-Café. Auf den zweiten spürt man fast so etwas wie eine Lounge-Atmosphäre im Orient-Style.

Die Gäste waren wild durchmischt, es hatten sich Familien sowie Studenten, jüngeres und auch älteres Publikum eingefunden. Die Speisekarte ist reichhaltig und vielfältig, so dass es schwer fällt sich zu  entscheiden.

Ich war sehr überrascht über die sehr freundliche Bedienung und den zuvorkommenden Service. Hier bemüht man sich noch um den Gast. In Szenebezirken stellt dies eher die Ausnahme als die Regel dar.

Das Essen war auch gut und wurde ansprechend auf dem Tisch angerichtet.
Das Schraders päsentiert sich für mich als eine willkommene Abwechslung zu den trendigen Szeneviertel von Mitte und Co und ich war überrascht, dass derartiges im Wedding zu finden ist.

Überseebar am Strandbad Weissensee

Die Überseebar am Strandbad Weissensee ist eines der ganz wenigen Ausgehlokale im Stadtbezirk Weißensee, die zu besuchen mich reizten – jedenfalls bis vor kurzem.

So musste ich letztens feststellen, dass abends am Wochenende bei schönem Wetter in der Überseebar kein Kaffee-Getränk mehr zubereitet wird. Als Nichtfan von alkoholischen Getränken kann ich aber  immerhin den „Lady Killer“ empfehlen, der ebenfalls das Sprachzentrum aktiviert.

Ich war eigentlich der Ansicht, dass sich in Weißensee „etwas tut“, dass Weißensee auf dem Vormarsch ist. In den letzten Jahren beobachte ich, dass es hier viel bunter geworden ist, hier auch viel jüngere Leute unterwegs sind, es wuselig am Antonplatz zugeht und Leute hierher ziehen, so dass nach einhelliger Meinung Weißensee der nächste Szenebezirk sein wird. Doch davon ist der Stadtteil noch weit entfernt, denn gegen 20 Uhr scheinen hier nach wie vor die Bürgersteige hochgeklappt zu werden und es war ziemlich leer  in der Überseebar.  O. K. es gibt noch den Mirbachplatz, wo sich in den letzten Jahren einige Restaurants angesiedelt haben, aber ob da nun abends mehr los ist?

Dabei ist die Gegend um die Überseebar herum an sich sehr attraktiv: See, Fontäne, Bäume, Strand, Sand…

Von vor einem Jahr und länger,  habe ich diese Strandbar tagsüber bei gutem Wetter am Wochenende noch als sehr schön in Erinnerung, und ich war erstaunt, dass man in Weißensee so nett sitzen kann.

Als es dann dunkel wurde, flitzen die Ratten am Strand entlang….

Meiner Freundin fiel spontan dazu eine Passage aus dem Brandenburg-Lied von Rainald Grebe ein:

„Wenn man Bisamratten im Freibad sieht, ist man im Naturschutzgebiet. Mark Brandenburg.“

Klubnacht im Berghain

Am vergangenem Samstag stand wieder eine Klubnacht des Berghains auf dem Programm. Ab 6 Uhr Sonntagmorgen legten die DJs Ben Klock und Fiedel auf.

Ich fand es schwierig sich an dem Wochenende zu entscheiden. Es fanden viele mehrtägige Veranstaltungen statt, die sich auch sehr viel versprechend lasen: Berliner „Luft & Liebe“ im Yaam am Ostbahnhof  und die „Krake“-Abschlussparty im Suicide Circus. Dennoch entschied ich mich für das Berghain, alleine aus dem Grunde weil Ben Klock auf dem running order stand und die Möglichkeit ja bestand, noch die location zu wechseln, wenn es blöd sein würde. Als ich gegen halb acht ankam, hatte sich schon eine 100 m lange Schlange vor der Tür des Berghains gebildet. Es gibt Sonntage, an denen ist um diese Uhrzeit vor der Tür nichts los. Ich frage mich immer, wovon das abhängt.

Ich fand es super. Die Stimmung war gut, die Musik plätscherte nicht wie bei meinem letzten Besuch nur vor sich hin, sondern sie klang interessant. Einen location-Wechsel zog ich also für mich nicht in Betracht. Ich war völlig überrascht, was Fiedel so abgeliefert hat.  Endlich mal ein DJ, der nicht nebenbei raucht und rumwippt, sondern sich ganz auf die Arbeit konzentriert. Viele tracks, die er auflegte waren mir sogar bekannt. Den von Len Faki Mekong Delta schienen auch die meisten anderen Leute zu kennen, denn die Masse grölte. Es wurden aber auch ältere Stücke eingearbeitet, wie z. B. eines von Plastikman, Helikopter. Gemein dagegen fand ich, dass von Marmion Schöneberg (1993)  nur ganz wenige Takte zu hören waren und dann ging es auch schon mit etwas anderem weiter. Echt fies. Es wurde auch Energy Flash von Joey Beltram von 1990 gespielt. Ich staune nur, dass so ein altes Stück noch Verwendung findet und es praktisch gar nicht auffällt, dass es schon 20 Jahre alt ist.

Ich wunderte mich nur, wie Fiedel von 10 Uhr bis open-end auflegen konnte, während ich gegen 17 Uhr das Berghain verließ.

Richtig gut kam auch „Martyn feat. Spaceape – Is this Insanity (Ben Klock Mix)“

Buchvorstellung: Kosmonauten des Underground

Vor wenigen Wochen ist das Buch Kosmonauten des Underground. Ethnografie einer Berliner Szene von der Stadtethnologin Anja Schwanhäußer erschienen.

Forschungsmethoden waren die teilnehmende Beobachtung und die Feldforschung mittels Beobachtungen und Befragungen im natürlichem Umfeld dieser Szene. Für diese Feldforschung tauchte Anja Schwanhäußer zwölf Monate direkt in die Szene ein. Interviews und Feldtagebuchnotizen stammen überwiegend aus den Jahren 2002 und 2003.

Ich habe mir inzwischen dieses Buch bestellt. Weiterlesen

Montech im SO36

„Wer feiern kann, kann auch weiter feiern: Immer montags im SO36!“

So heißt es auf der Seite des SO36 zu montech. Das sehe ich auch so. Entweder man feiert durch oder man geht dann feiern, wenn andere wieder arbeiten müssen.

Killin’me, jeden 1. Montag im Monat, und Kurzurlaub, jeden 3. Montag im Monat, finden im Rahmen von montech statt.

Mir gefällt am SO36 das schön Unstylische von der location und von den Leuten her. Insgesamt herrscht eine tolerante, lockere und ungezwungene Atmosphäre. Weiterlesen

Aufruf zur Hanfparade 2010 in Berlin

Am Samstag, den 7. August 2010, findet in Berlin die 14. Hanfparade unter dem Motto „Cannabis ist (Welt) Kultur“ statt. Die traditionsreiche Demonstration will das Wissen um die Kulturpflanze Hanf und ihre Nutzung als Rohstoff, Genussmittel und Medizin wieder in den Mittelpunkt der politischen Diskussion stellen.
Cannabis ist in Deutschland die am häufigsten konsumierte illegale Droge. Für deren Freigabe wirbt die Hanfparade seit 1997. Die Hanfparade ist die größte deutsche Demonstration für die Legalisierung von Cannabis. Weiterlesen

Licht & Liebe und LEDs

Die Veranstaltungen „Licht & Liebe“ von Lichtpark e. V. sind zwar umsonst, dennoch gibt es so eine Art Türsteher bzw. Taschenkontrolle. Zum einen wird darauf geachtet, dass eine Vermüllung durch mitgebrachte Speisen und Getränke vermieden wird. Zum anderen will man nicht jeden mitfeiern lassen und so hieß es vergangenen Sonntag, als einige Leute vor mir auf das Gelände wollten: „Passt nicht!“ Das ist doch eine sehr direkte, ehrliche und konkrete Aussage.

YouTube-Video von Loerli1:  Open Air „Licht & Liebe“ am 01.08.2010 an der Michaelkirchbrücke

Mich hat es erstaunt, dass LED-Lichter selbst bei solch kleinen Events, eine derartige Verbreitung gefunden haben. Draußen, bei strahlendem Sonnenschein verfehlen sie leider ein wenig an Wirkung.

In der Juli/August-Ausgabe der Groove wird über diesen Trend von LEDs in Clubs berichtet.

Chilliger Sommerabend am Wasser

Wir steuerten das Strandgut an, wobei wir entlang der East Side Gallery kaum zu Fuß weiter kamen und ständig stehen bleiben mussten: Schließlich will man dabei den Touristen ihr Knipsen der East Side Gallery nicht unbedingt stören. Meine Freundin war allerdings ziemlich genervt und äußerte „Oh, hier wird ja ständig fotografiert“.

In letzter Zeit hört und liest man ja immer wieder vom Kiki Blofeld, obwohl dieses Areal schon seit mehreren Jahren besteht. Ich dachte zuerst, da muss man ja auch mal hin, aber nach einem Blick auf deren Seite, konnte ich mir nicht vorstellen, dass es mir gefallen würde: sieht zwar sehr idyllisch gelegen aus, wirkt aber  irgendwie steif, geplant und kalt. Es ist wohl eher eine Anlage mit Tischtennisplatten, Kicker, Billardtisch etc. Musikmäßig scheint eher Soul und Rock gespielt zu werden, was mich nicht gerade anturnt.

Das Hauptpublikum im Strandgut bestand überwiegend aus der Laufkundschaft, die eben noch der East Side Gallery entlang ging, die sich nun endlich die Beine ausstrecken wollten. So schön wie es auch direkt am Wasser liegen mag, fand ich es wenig atmosphärisch und bei mir machte sich so ein Tourigefühl breit. Bald darauf schon verließen wir wieder das Strandgut. Nebenan am Oststrand fand gerade ein Strandvölkerballspiel statt. Na, das ist doch mal eine Abwechslung zu den vielen Beachvolleyballaktionen in der Stadt.

Dann ging es wieder Richtung Oberbaumbrücke, aber dieses Mal direkt am Ufer der Spree und nicht auf  der Mühlenstraße an der East Side Gallery entlang.

Ein echt super schöner Sonnenuntergang im Rücken und vorne eine strahlend glänzende Oberbaumbrücke, ging es dann dort hin wo man Samstagabend nicht hingehen sollte, zum Club der Visionäre (CdV). Diese Location gibt es ja schon mindestens einem gefühlten Jahrzehnt, wenn mich nicht alles täuscht. Ich kann mich jedenfalls erinnern, dass ich vor gut über 10 Jahren mal dort saß und es ziemlich auf den Brettern wackelte. Keine Ahnung, ob es damals auch schon Club der Visionäre hieß? Dass sich hier ein Club so viele Jahre halten kann, kein Wunder bei dieser Lage direkt am Ufer des Flutgrabens. Eine Idylle und das inmitten der Hauptstadt der DDR. Inzwischen heißt es ja, dass der Club der Visionäre eine Touristenhochburg geworden sei. Diese Leute lassen sich eben kaum von den Leuten aus den einschlägigen Clubs unterscheiden. Es ist eben das typische Clubpublikum unter 30 Jahren hier vertreten. Da das Wetter so richtig schön war, wurde es auch voll und voller, so daß die Leute sich auf die Treppe und dem Boden hinfläzten. Ein sehr lauschiger Abend unter bunt angeleuchteten Trauerweiden mit elektronischen Beats im Hintergrund. Es war ein herrlich entspannter Sommerabend. Das Ganze dient als  Samstagabend Warm-Up. Hier habe ich auch schon mal richtige Partys mit sehr guten und namhaften DJs from Dusk till Dawn erlebt.

Ein Video von Berlin Street View zum Flutgraben mit dem Club der Visionäre auf YouTube.