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Cafés mit Wohnzimmer-Ambiente

In Berlin findet man zuhauf mit Sperrmüllmobiliar eingerichtete Bars und Cafés. Das hat nicht nur Charme, sondern auch Stil. Das wird nicht jedermanns Geschmack sein, aber die Cafés sind auf jeden Fall einen Besuch wert.

Das „Wohnzimmer“ am Helmholtzplatz (Lettestraße) hat Kultcharakter. Gemütliche Sofas und Sessel, zum Teil schon antik bis trashig, sorgen in diesem Café für das überzeugende Wohnzimmerambiente. Die Möbel wirken runter gekommen, aber nicht „ranzig“. Abends wirken die Wände bei schummrigen  goldfarben. Im Sommer kann man an diesem Eck-Café/Bar schön draußen sitzen. Hier herrscht Selbstbedienung und es kann ein wenig dauern bis man seine Bestellung aufgegeben hat. Hackenschuh-Trägerinnen aufgepasst, die Holzbodendielen weisen große Spalten auf, so dass Sturzgefahr besteht.

"Wohnzimmer"

Wenige Meter vom „Wohnzimmer“ entfernt findet man in der Schliemannstraße 31, das „Intersoup“. Diese location ist Kneipe, Café, Club und Restaurant in einem. Der Name ist Programm: es gibt ein vielfältiges Suppenangebot. Hier finden häufig Livegigs statt oder ein Dj sorgt für gute musikalische Unterhaltung. Auch hier ist  Selbstbedienung. Der Service ist zügig und die Preise für Prenzlauer Berg-Verhältnisse niedrig. Auch geeignet um zu später Stunde zu versacken, dazu laden alte Sofas und Sessel zum lümmeln einfach ein. Eine location, die für Prenzlauer Berg ein Relikt ist.

Neben dem „Wohnzimmer“ gibt es noch eine weitere Eckkneipe in P’berg, die in Sperrmöbelschick ausgestattet ist. Die „Kohlenquelle“ oder auch „Koppe“ genannt befindet sich in der Kopenhagener Str. /Sonnenburger Str. Ein nettes Café mit recht nettem Publikum ist anzutreffen. Genau an der Ecke führt eine Brücke über die Ringbahn und wenn man die „Terrasse“ nutzt, kann man bei sonnigen Wetter, den Kinderboom in Prenzlauer Berg sehr gut nachvollziehen. Das Publikum ist auch nicht nur ganz jung. Auch Leute über 30 Jahren finden hier ihren „Platz“. Eine eigene homepage scheint es nicht zu geben, aber ein Video von der „Koppe“, das eher als eine Hommage für Berlin ist als ein Video über das Café.

Das älteste Café dieser Art dürfte das Café „An einem Sonntag im August“ sein. Hier finden auch Lesungen wie „Erotisches zur Nacht“ statt. Die Preise sind etwas ziviler, erschwinglicher als in den anderen Cafés und dazu liegt es noch sehr günstig gelegen, direkt am Anfang der beliebten „Castingallee“ (Kastanienallee). Hier findet man gemütliche Sofaecken, die das nötige Wohnzimmerflair rüber bringen. Dem einem oder anderen mag das zu „ranzig“ sein. Im Sommer kann man draußen zwischen Liegestühlen und Hollywood-Schaukeln wählen und dabei das bunte Fußvolk beobachten. Das Publikum ist eher jung, überwiegend Studenten, kaum jemand weit über 40 J. Die Bedienung ist eher etwas langsam. Dafür kann man sich für 2,95 Euro am Buffet bedienen.

Im Gegensatz zu den anderen Cafés/Bars hat das Café „Mein Haus am See“ Öffnungszeiten, wie man sie sich in Berlin wünscht: durchgehend geöffnet. Der Name ist ein wenig irreführend, hier liegt weder ein See in der Nähe, noch ist es hier in der Umgebung nur annähernd idyllisch oder ruhig. Dafür ist es innen sehr atmosphärisch und es gibt genug Space. Das Mobiliar besteht überwiegend aus älteren skandinavischen Sitzgruppen. Daneben gibt es noch eine Art Tribüne als Sitzgelegenheit. Draußen gibt es keine Sitzmöglichkeiten.
Sehr zu empfehlen, viell. aufgrund der Süße eher von Frauen bevorzugt, ein Sekt auf Holundersirup. Freundliche Bedienung, dafür sind die Preise leicht „gesalzen“ und an „Mitte“ angepasst.

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Mit ("West"-) Besuch im Café „Mein Haus am See“

Was unternimmt man eigentlich mit Besuch aus z. B. NRW? Berlinbesucher wissen meistens ganz genau was sie in Berlin unternehmen und ansehen wollen. So auch meine Freundin mit ihrem Freund, die an diesem Wochenende zum zweiten Mal Berlin besuchten. Ich überlegte, was ich ihnen noch zeigen könnte. Es muss erwähnt werden, dass sie aus einer Kleinstadt mit 40.000 Einwohnern kommen und es nicht bevorzugen sich in das Nachleben von Berlin mit seinen vielen Clubs zu stürzen und auch sonst sind sie „irgendwie“ anders. Das ganze Standard-Sightseeing-Programm (Fernsehturm, Brandenburger Tor, Reichstag, Hackescher Markt, KaDeWe, Ku’damm, …) ist schnell durchlaufen. Aber auch so was wie das Technik-Museum, Gedenkstätte-Hohenschönhausen, Berliner Unterwelten, DDR-Museum standen bei ihnen schon auf dem Programm. Am Freitag z. B. besuchten sie die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und danach trafen wir uns am Rosenthaler Platz. Ich schlug vor mit ihnen in das Café „Mein Haus am See“ zu gehen. Ich war einfach gespannt wie die Reaktion der Beiden sein würde und ob sie sich wohlfühlen würden in einem Café, dass es so in der Nähe von Münster sicherlich nicht geben wird. Das Café liegt fast unscheinbar ganz in der Nähe des U-Bhfs Rosenthaler-Platz, in der Brunnenstraße.

„Boah – krass“ äußerte sich meine Freundin. Ihr Freund fand, es sähe hier aus wie in einem Möbelgeschäft. In Berlin gibt es viele Cafés die irgendwie auf eine „Wohnzimmer-Atmosphäre“ setzen und hier besteht das Interieur überwiegend aus Sofas, Sesseln und Tischen im skandinavischen Design. Keine Ahnung aus welchem Jahrzehnt. Schätze 70er/80er Jahre. Mich erinnert das Mobiliar an Dänemark-Ferienhaus-Urlaub. Ich finde trotzdem, dass sich dieses Café von den anderen Cafés, die auch im Wohnzimmerlook ausgestattet sind, wie z. B. das „Wohnzimmer“ oder „An einem Sonntag im August“ (übrigens gehört dem Besitzer/Geschäftsführer wie auch immer dieses Cafés auch das „Mein Haus am See“) unterscheiden. Hier ist es heller, geräumiger und auch „atmosphärischer“.

An diesem Freitagabend war es recht leer im Vergleich zu sonst. Mag an dem herrlichen Wetter gelegen haben und dieses Café bietet auch keine Sitzmöglichkeiten draußen an. Das wäre auch nicht gerade sonderlich angenehm an der Brunnenstraße…

Zurück zu meinem Besuch: Sie waren noch sehr stark mit der Verarbeitung der Führung durch die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen beschäftigt. Mir schwebt schon seit zwei Jahren vor dorthin zu gehen und jetzt werde ich es bestimmt machen.