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Unterwegs in Kreuzkölln: SilverFuture

Das SilverFuture findet man in Neukölln, genauer gesagt im Reuterkiez, Weserstr. 206 und hat sich  „Kings And Queens And Criminal Queers“ auf die Fahne geschrieben. Zugegeben ich war ein wenig aufgeregt hier hinein zu gehen, weil an der Tür „Gay Bar“ stand und ich befürchtete, dass man beim Eintreten auf irgendeine Weise darauf angesprochen und evtl. zur Tür verwiesen werden könnte. Aber nein, auch als normal aussehende Hetera kann man diese Bar besuchen.

Die Einrichtung ist schon recht typisch für diesen Trashchick, wie man ihn in vielen neuen Bars findet: Ausgessesene Sofas, zusammengewürfeltes Mobiliar, Samt und Glitzer, alles mit etwas Patina in Kombination mit Silberfolie, was schon mal wesentlich schöner ist, als durchgestylte Franchise-Konzeptgastronomie!
Was diese Bar ausmacht ist die Toleranz der Betreiber/Innen und der Gäste und das Wohlfühlambiente für Leute die nonkonform und eher queer&links-alternativ oder homo, hetero, bi oder transgender ausgerichtet sind. Hier finden wohl die Platz und einen Raum und Geselligkeit, die sonst, vor allem im Umfeld vom Reuterkiez vor Jahren in den anderen Kneipen, eben genau um ihrer Bunthaftigkeit wegen Probleme bekommen hätten. Irgendwie sah das Volk hier so „berghainisch“ aus und das hat mir gefallen.

Wegen der hohen Besucherdichte war es uns nicht möglich mehr Bilder zu machen aber man kann es sagen, es ist sehr nett da und es scheint sehr tolerant und angenehm zuzugehen.

Getränkekarte nein, aber nach einem freundlichen Nachfragen gab es ein Buch.

Das SilverFuture hinterlässt den Eindruck von linksalternativer Subkultur mit sehr relaxtem und buntem Publikum.
Wenn ich mich frage, in welcher der Kneipen/Bars/Cafés in Kreuzkölln habe ich mich am wohlsten gefühlt haben, dann war es klar hier.

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Unterwegs in Kreuzkölln: Café Ringo

Das Café Ringo in der Sanderstraße 2, Neukölln, das unweit des hässlichen Kottbusser Damms liegt, ist im Vergleich zum Raumfahrer an einem Freitagabend gegen 21 Uhr brechend voll. Durch die Fensterfront, die einen guten Einblick in das Café gewährt, sieht man schon von außen das Wohlfühlambiente, was hier durch Schlichtheit d.h. durch Purismus in Gesellschaft mit nettem Publikum erzeugt wird.

Die noch in Teilen funktionsfähige Markise lässt einen deren Abstammung von einem weiland innehabenden Gemüseladen vermuten, was aber nicht unbedingt so sein muss.

Hier treffen sich offensichtlich die Erstsemestler am Nierentischchen im stilvollen Ambiente des 50er-Jahre-Look  zum Kurzumdrunk, Hausarbeiten, Klönschnack oder Wochenausklang. Bestimmt lief im Hintergrund Musik, an die ich mich aber nicht erinnern kann. Diese schien also dezent und unaufdringlich zu sein.

(Man beachte die schicken Hängelampen in verchromter Optik)

Wo sonst meist Trübsinn, Blind- und Taubheit herrscht, deswegen mal ganz besonders betont, gibt es hier ganz im Gegensatz (zumindest an dem Abend) eine sehr nette & aufmerksame Bedienung.

Das Ringo kann definitiv als eine Bereicherung für diese Gegend gesehen werden, da es sich wohltuend von den umliegenden Berliner Ur-Eckkneipen und oder Migrationskulturvereinen abhebt.

Die Innenraumgestaltung mit dem üblichen Ensemble aus Fifties (Nierentische und Trödellampen) hätte auch ein wenig origineller und im Style einzigartiger, kieziger Marke Kreuzkölln sein können, was aber so leider nicht zu finden war. Mich erinnerte es vom Interieur an ein Café der 80er Jahre am Savignyplatz (irgendwie schon leicht stylisch). Zumindest ist es nun für mich eine kleine Wohlfühloase in der ansonsten eher abstoßenden Umgebung des Kottbusser Damm.

Unterwegs in Kreuzkölln: Der Raumfahrer

Die erste Bar, die wir neulich bei einer kleinen Kieztour in xkölln ansteuerten, war die Bar/Kneipe Raumfahrer in der Hobrechtstraße 54,  Neukölln. Es befindet sich unmittelbar in der Gegend, wo ich vor 11 Jahren noch gewohnt hatte. Damals war das grauenhaft und zu der Zeit gab es in Neukölln weit und breit kein einziges Café wo ich mich hätte hineinsetzen können. Mich hat auch seitdem nichts mehr veranlasst diesen Bezirk aufzusuchen, außer Freundesbesuche, obwohl ich seit einigen Jahren von Bewohner dieser Gegend höre, dass sich hier in Bezug auf Ausgehlokale etwas getan habe und nachts doch tatsächlich Leute auf der Straße unterwegs seien. Es hieße jedoch, dass diese Lokale nichts besonders seien, ganz normale Studentenkneipen.

Das Gebäude, in dem das Raumfahrer untergekommen ist, ist ein 70er Jahre Architekturbau. Auffällig sind die großen rot eingerahmten Schaufenster-flächen.Verschiedenartig gemütliche Sitzgelegenheiten bieten Raum und ein Podest sorgt für einen besseren Überblick. Das Interieur stammt allerdings vermutlich überwiegend aus dem Sperrmüll und die schicke 3 D-Wanddeko aus den 80ern ist vermutlich eine Art Tapezierrelikt, sieht aber auf den Bildern hier schick aus. Die Abgerissenheit der ganzen Bar ist vermutlich das übliche Konzept – hier ist es hip, hier ist Neues und hier geht es noch zur Sache anstatt dass es hier um Einrichtung geht.

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Wir waren anscheinend zu früh dort, denn es war nichts los. Als wir später noch einmal vorbei kamen war es brechend voll. Die to-go Zeit scheint also „22 Uhr plus“ zu sein und da scheint nun das Konzept aufzugehen und man kann sagen „der Laden ist angesagt“ und noch ist er unverbraucht und noch trifft man hier die Raum- und Club und Szenepioniere. Wie lange – man wird sehen wie sich dieser Kreuzkölln Kiez sich so macht.